Die Attentate von Paris – Eure Gedanken und mein Update

Letzte Woche habe ich mich einem sehr ernsten, schwer in Worte zu fassenden Thema gewidmet, dass mich aufgewühlt hat und ehrliche, ungeschönte Emotionen hervorrief: Die Anschläge in Paris vom 13.11.2015. Entsprechend authentisch aber auch bedacht waren meine Worte.

Offensichtlich habe ich mit meiner persönlichen Ausseinandersetzung auch einen Nerv bei einigen von euch getroffen, denn ich habe ganz tolle Rückmeldungen bekommen, die nicht zuletzt immer wieder ein Aha-Erlebnis beinhalteten. Ich freue mich immer übermäßig, wenn ich Feedback bekomme und merke, dass tatsächlich jemand meine mal mehr, mal weniger gelungenen geistigen Ergüsse liest. Vor allem aber freut mich, wie ihr mir einen neuen Blickwinkel aufzeigt.

Zwar bin ich letzten Montag kurz auf die verschiedenen Reaktionen in den Sozialen Netzwerken eingegangen, welche Fragen und Entscheidungen aber hinter den sichtbaren Statements stehen, habe ich gar nicht bedacht. Ihr habt meine Nase darauf gestoßen:

„Ändere ich mein Profilbild und wenn ja, wann wechsel ich wieder auf das alte und bedeutet das dann, dass jetzt wieder zur Tagesordnung übergegangen wird?“

So lautet eine Frage, die ich per WhatsApp erhalten habe, von jemandem, der regelmäßig meinen Blog liest und immer wohlüberlegte Kommentare schickt. (Ich war so frei, dich anonym zu zitieren. Wenn du das hier heute Nacht liest und nicht befürworten kannst, seh ich morgen früh bestimmt eine entsprechende Nachricht und kümmere mich noch vor der Vorlesung um eine Änderung. ;-))

Beim Beisammensitzen mit Kommilitonen und Mitbewohnern kam es zur gleichen Thematik. Es wurde erzählt, wie man sein Profilbild zwar geändert habe, aber noch im gleichen Zuge unschlüssig wurde, was das jetzt im Nachgang bedeutete. Die gleiche Frage stand wieder im Raum: Wenn ich ein neues Bild hochlade, heißt das, dass dann wieder alles „normal“ ist?

Interessant, wie sich brisante Fragestellungen zum Umgang mit Katastrophen in der Frage nach dem eigenen Profilbild niederschlagen. Einerseits zeugt das, von einem hohen Maß an Reflektion ob der Aussagekraft unserer digitalen Präsentation bezüglich gesellschaftlicher Ereignisse und Strömungen (Fragt sich, ob das gleiche Maß an Reflektion auch für die „alltägliche“ Selbstdarstellung gilt – so einige Profile lassen das bezweifeln. Allerdings ist auch unklar, ob die dahinter stehenden Personen generell ihre Repräsentation hinterfragen.).

Andererseits ist es auch denkwürdig, wie ein dramatisches Ereignis, zu dessen Aufarbeitung wir auf Grund der räumlichen Entfernung, des Zuständigkeits- und Kompetenzbereiches und anderer Aspekte nichts beitragen können, trotzdem den Wunsch in uns weckt, „damit umzugehen“, es „zu verarbeiten“,  „zu reflektieren“. Wir wollen es – müssen es fast – wahrnehmen. Aus einem Mangel an Gegen-wärtigkeit tun wir es stellvertretend online.

Nicht selten neigt man allzu leicht dazu, Social Media ob der negativen Begleiterscheinungen zu verteufeln.

Nicht selten stand ich dabei an vorderster Front.

Wenn sie aber ein Mittel und eine Möglichkeit zur Solidarisierung im positiven Sinne sind, ein Impuls weg von einem kleinstaatlichen „Wir“ als Nation hin zu einem globalen „Wir“ als Menschen, ein Anstoß zur Reflektion, dann haben sie nicht nur das Potenzial als Sinnbild für alle schlechten gesellschaftlichen Entwicklungen zu stehen, sondern auch als starker Gegenpol zu eben jenen zu fungieren.

 

Ich möchte noch einen weiteren Nachsatz zu letzer Woche formulieren: Mich hat darauf zwar niemand angesprochen, aber beim wiederholten Lesen hatte ich das Gefühl, man könnte meine Worte missinterpretieren und daraus ein „man kann in allem etwas Gutes finden“ lesen. Das ist mitnichten so gemeint. Ich bin zwar froh, dass mich die Anschläge in Paris nicht kalt gelassen haben und ich bin noch immer der Meinung, dass wir über sie auch einen besseren Zugang (emotionsbezogen) zu ähnlichen Ereignissen im Rest der Welt gewinnen können. Dieses „Gute“ liegt aber nicht in der Sache sondern in dem, was wir daraus machen, in unserem Umgang mit diesem „Unumgänglichen“, dem, dem wir nicht entkommen können und dem, mit dem es keinen wirkliches Umgehen geben kann. In diesem Sinne stehe ich gerade nicht, für bedeutungslose Gemeinplätze à la „every cloud has a silver lining“, sondern für eine bedeutungsgebende eigene Reflektion der Dinge.

Zu guter Letzt eine verstörende, provokante und zum Denken anregende Headline des Postillion, die mich unter anderem zu meinem Post letzte Woche inspirierte (im Sinne von überzeugte ihn zu schreiben) und die auch an euch nicht spurlos vorüberging. Für diejenigen, die sie (noch) nicht gelesen haben:

„Französische Kampfjets bringen Gewalt wieder dahin, wo sie hingehört.“

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Titelbild des Posts (unter diletantischer Bearbeitung meinerseits): https://www.campact.de/paris/appell/teilnehmen/?utm_term=inside-flow&utm_medium=recommendation&utm_campaign=%2Fparis%2Fappell&utm_source=rec-fb&utm_content=random-a

 

Ursprünglichen Beitrag verpasst? Lies hier, was ich über die Attentate von Paris gedacht habe…

 

Ein Gedanke zu “Die Attentate von Paris – Eure Gedanken und mein Update

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