Faszination Wort

Sprache. Ein eigenes Universum. Etwas Alltägliches. Und zugleich etwas Außergewöhnliches, Spannendes, Faszinierendes.

Sprache verbindet. Aber sie trennt auch. Man denke an die Geschichte vom Turmbau zu Babel.

Sprache drückt so viel mehr aus, als nur den konkreten, direkten Inhalt der Worte. Angefangen von einfachen Konzepten wie Metaphern und implizierten aber nicht gesprochenen Bedeutungen bis hin zu komplexen Hintergründen der Kultur, in der sie gesprochen wird.

Sprache fasziniert mich. Auf drei Ebenen:

  1. Der Ausdruck. Ich habe ein inzwischen recht umfängliches Worddokument, in dem ich sprachlich formvollendete Wortkonstellationen und erquickende (wundervolles Wort?!) Satzwunder sammle wie Kinder schöne Kieselsteine. Der Übergang zwischen Satzteilen und ganzen Zitaten, die dann nicht mehr nur der „bloßen“ (wundervollen) Konstellationen ihrer Wörter wegen Freude auslösen, sondern wegen dem Inhalt, dem vermittelten Gedanken, ist fließend. In meinem Sammelsurium finden sich Kostbarkeiten wie:
    • „Das Gefüge der Welt selbst schien bei dem Ton zu vibrieren, als habe ein Riese an den Fäden der Wirklichkeit gezogen und sie erbeben lassen.“ (Eragon – Das Erbe der Macht)
    • „der Schutzbefohlene der Sterne“ (Eragon – Der Auftrag der Ältesten)
    • „and the mountains themselves bore witness…“ (A Clash of Kings)
    • „aber um zur Zukunft zurückzukehren“ (?)
    • „Sonnenfinsternis des Verstandes“ (?)
  2. Die Melodie. Wenn ich schreibe, egal ob ein Gedicht, einen Brief oder eben einen Blogartikel, versuche ich den richtigen Ton der Geschichte zu treffen. Das ist es, was am meisten Zeit in Anspruch nimmt. Um die Geschichte richtig erzählen zu können, sei sie wahr, erfunden oder eine, die sich dieser Kategorisierung entzieht, muss man ihr den richtigen Klang verleihen. Das ist der Unterschied zwischen irgendeinem Text und einer guten Geschichte, einem mitreißenden Buch, einem überzeugenden Kommentar oder einer Liebeserklärung an die Welt. Insofern ist ein Schreiberling in Wahrheit einer, der Worte orchestriert und sie nicht nur niederschreibt.
  3. Das Geheimnis dahinter. Ich möchte nicht sagen, das sei der wichtigste Aspekt, aber er ist doch groß, bedeutsam. Was sagt Sprache über einen Menschen, über eine ganze Kultur aus? Nein, ich werde mich jetzt nicht in Diskussionen über den Begriff der Kultur verlieren, schon gar nicht in einer von vornherein zum Scheitern verurteilten Definition, auch wenn ich mir der Reflektionsbedürftigkeit (auch etwas, dass ich liebe, im Deutschen kann man so viele neue Wörter kreieren, wie es dem musizierenden Schreiberling beliebt) bewusst bin. Bear with me on this one. Schon die Unmöglichkeit gewisse Besonderheiten von der einen in die andere Sprache zu übersetzen, zeigt dass ihr etwas inne liegen muss, dass etwas Undefiniertes, schwer Fassbares, aber durchaus Wahrnehmbares ist. Etwas, das mehr aussagt, als die konkrete Bedeutung und auch mehr als die gegebenenfalls implizite Bedeutung. Etwas, das es vielleicht übergeordneter oder unabhängiger vom einzelnen Sprecher gibt. Im Chinesischen ist es beispielsweise unmöglich „einfach nur“ von einem Cousin zu sprechen ohne weitere Informationen zu geben. Dafür gibt es schlichtweg kein Wort. Jeder Ausdruck vermittelt gleich mit ob es sich um einen Cousin mütterlicher- oder väterlicherseits handelt und andere Informationen mehr. Das drückt offensichtlich einen ganz anderen Stellenwert von verwandschaftlichen Beziehungen und Gesellschaft aus. Es gibt Sprachen, die machen in ihren Tempi keine Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Zukunft und andere, die lassen keine andere Wahl, als klare Linearität wiederzugeben. Kurzum Sprache an sich, Sprache im generischen Sinne, fördert etwas zu Tage, das weit über die Einzelworte hinausgeht und das ist es, mit dem ich mich in Gedanken immer und immer wieder beschäftigen kann und zu dem ich auch stundenlang TED-Videos schauen könnte. Ist eh eine Website auf der man viel zu viel Zeit verbringt.

Ich liebe also Sprache, im Allgemeinen und im Spezifischen und nicht selten mündet das darin, dass ich verschiedene von ihnen mische und neuzusammenstelle, weil man etwas, dass ich auszudrücken gedenke, genauso nur in dieser sagen kann. Die Entscheidung für mein heutiges Thema war zum Beispiel ein „close draw“, zwischen dieser und einer thematisch völlig anderen Auseinandersetzung.

Manchmal fallen mir auch einfach Wörter nur in einer anderen Sprache ein, meistens Englisch. Mein Lieblingswort, das mir im Deutschen nie einfällt, ist pumkin. Dafür brauche ich dann immer meinen Dolmetscher für das wahre Leben, der mir die Welt erklärt und übersetzt, wenn ich gerade wieder woanders schwebe, „when I’m away with the fairies“. 🙂

Gibt es Wörter oder Ausdrücke, von denen du wünschtest, man hätte sie im Deutschen? Kennst du das, diese Erleuchtung, wenn aus Sprache plötzlich mehr geworden ist, als bloßes Trägermedium einer Information von einem Menschen zum anderen?

Ein Gedanke zu “Faszination Wort

  1. Pingback: Vaterland und Mutter Erde? – Ein Menschenkind wundert sich

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