Zero Waste Life?

Letzte Woche bin ich bei meiner „ich drück mich vor der Referatsvorbereitung und mach lieber was anderes, was aber auch mega klug ist und darum schon auch gerechtfertigt“-Prokrastination über ein TED-Video (eigentlich TED x Teen) von Lauren Singer über ihr „Zero Waste Life“ gestoßen:

Sie erzählt davon, wie sie zwar immer an einem nachhaltigen Umgang mit der Natur interessiert gewesen sei, aber erst jetzt durch eine radikale Umstellung ihres Lebens wirklich im Einklang mit ihren Werten leben würde: Keinen, die Umwelt belastenden Müll produzieren. Sprich keine Verpackungen, Tüten, abgepackte Fertigprodukte etc. gebrauchen.

Das ganze definiert sie auf ihrem Blog „Trash is for tossers“ so:

How do I define ZERO WASTE? To me, Zero Waste means that I do not produce any garbage. No sending anything to landfill, no throwing anything in a trash can, nothing. However, I do recycle and I do compost. 

Beim ersten Schauen, fand ich das sehr faszinierend und auch völlig unvorstellbar. Klar, man hat eingetrichtert bekommen, dass Plastiktüten umweltschädlich sind und kleine Baby-Schildkröten und Fische umbringen und man deswegen immer mit einem Korb oder einer Stofftasche einkaufen gehen sollte. Das habe ich so verinnerlicht, dass selbst wenn ich nichts dergleichen dabei habe, lieber alles Obst, Gemüse und was man sonst noch so braucht, in den vollbepackten Armen trage, wohlwissend, dass ich an der Haustüre alles werde abstellen müssen um meinen Schlüssel rauszukramen und eine Hand frei zu haben zum aufschließen. Völlig klar, man bentutz einfach keine Plastiktaschen für den Nahrungsmittelkauf. Hab ich gelernt. Hab ich verinnerlicht. Macht man nicht.

Und beim Kleidungskauf? Ups. So weit ging meine Verinnerlichung von „Plastiktüten sind böse“ dann doch nicht. Das ist mir aber erst letztens aufgefallen, als meine Mum stolz ihre neue Einkaufstasche präsentierte, die sie überall mit hinnehmen könne und in die auch Kleidung oder größere Erwerbungen hineinpassen würden, damit sie keine Plastiktaschen mehr annehmen müsse.

Das Video und der Blog von Lauren Singer haben mich erneut über meinen alltäglichen Umgang mit Produkten und Dingen nachdenken lassen. Sie führt definitiv einen interessanten Punkt an und allein die Determination, das Problem bei sich selbst zuerst anzugehen und nicht einfach hinzunehmen, dass es eben so ist, finde ich bemerkenswert. Auf ihrem Blog zeigt sie auch Lösungen bzw. Alternativen zu inzwischen herkömmlichen Produkten auf, die keinen Müll nach ihrer Definition verursachen.

Und genau da liegt ein kleines Problem, das ich mit der Geschichte habe. Sicherlich geht ihr Ansatz in die richtige Richtung und sicherlich ist ein reflektierter, aufmerksamer Umgang mit der Umwelt und unserem Einfluss auf sie löblich. Aber macht sie es sich nicht zu einfach mit ihrer Definition von Müll? Was heißt denn schon „recycelt“? Was wird daraus wirklich? Und wenn sie keine Papierchen mehr für Notizen nutzt, alles nur digital und „sauber“ macht, wie sieht es mit dem immateriellen, im Sinne von nicht sichtbaren Müll aus, den wir produzieren? Abwärme, Nebenprodukte von unserer Energiegewinnung bzw. -erzeugung? Und was ist mit Fortbewegungsmitteln? Selbst wenn man nur auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt, was immerhin viel ökologischer ist, als ein eigenes Auto zu besitzen und alleine von A nach B zu befördern.

Im Restaurant essen gehen? Popcorn im Kino? Nur weil ich es nicht selbst wegwerfe, heißt das nicht, das mein Konsum keinen Müll produziert. Und Dinge, die ich besitze, die aber kaputt gehen, auch wenn ich in high-quality investiere? Was hält schon ewig?

Inspirierend. Augenöffend. Zum Nachdenken anregend. Aber ZERO waste? Eher nicht.

Nichtsdestoweniger hat sie mich auf etwas aufmerksam gemacht und an etwas erinnert: Zurückzugehen zu dem, was wir selbst beeinflussen können. Und das bisweilen auch mal zu hinterfragen. So radikal, wie sie es durchzieht, wäre ich vermutlich bisher nicht in der Lage oder sagen wir, wäre ich zu bequem, um es durchzuziehen.

Ich übe Kritik, in Maßen. Frage nach und bin nicht sicher, was die „wahre“ Antwort auf alles ist. Aber ich wollte euch an diesem Aha-Erlebnis teilhaben lassen, dass mich zumindest mal wieder aus meinem Trott gerüttelt und mich erinnert hat, nachzudenken, selbst Ausfmerksamer zu sein, Ideen zu entwickeln und mit dem anzufangen, was ich in der Welt sehen möchte oder was ich vermisse.

Wird jetzt alles anders? Kaufe ich Kleidung auch nur noch second hand, Obst und Gemüse auf dem Markt, Getreideprodukte in Läden, zu denen ich meine eigenen Gefäße mitnehmen kann? Ähm nein, Schlag auf Schlag geht das nicht. Veränderung braucht Zeit. Aber es ist ein kleines Steinchen in einer langen Kette von Ereignissen, die uns prägen und in die eine oder andere Richtung schauen lassen. Und wenn ich das nächste Mal im Alltagstrott innehalte, vor einer Entscheidung stehe, denke ich vielleicht an dieses Video zurück. Und dann nochmal und nochmal. „Gathering momentum“.

Der Stein wurde in Bewegung gesetzt.

 

Schonmal so ausführlich über die Thematik nachgedacht? Einen neuen Blickwinkel gefunden? Oder ist das alles nur „Müll“ und zu kurz gedacht? Das ist mal wieder eine Thematik, bei der ich mich wirklich auf eure Meinungen freue.

 

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