Geburtstag, Silvester und schlechte Vorsätze

Quasi ein Weihnachtskind….

Quasi ein Silvesterkind…

Quasi irgendwo dazwischen…

Quasi zum dritten Mal schreibe ich diesen Artikel komplett neu. Manchmal ist es nicht so einfach zu sagen, was man sagen möchte, ohne, dass es völlig falsch klingt. 

Hauptsächlich wollte ich zum Ausdruck bringen, wie sehr ich mich über einen wirklich guten Abend an meinem Geburtstag gefreut habe. Und damit verbunden und eigentlich noch wichtiger ist der Dank an alle, die da waren. Auch an die, die letztes Jahr gekommen sind.

Seitdem ich ungefähr 12 oder 13 war, habe ich meinen Geburtstag insgesamt  3 1/2x gefeiert (beim halben Mal war es eigentlich die Party meiner Schwester -wir sind Zwillinge- und ich war mit zwei Freundinnen auch anwesend^^). Zum einen werden Geburtstage bei uns zu Hause nicht so groß angesehen. Klar, als wir noch Kinder waren, haben unsere Eltern richtig coole Kindergeburtstage organisiert. Von „nächtlichen“ Schlittenfahrten am fackelbeleuchteten Hang und Trinkbecher töpfern mit allen eingeladenenen Kindern bis zu  Piratenfeiern mit Flaschenpost-Einladungen und Ausflügen in den Holiday-Park. Sie selbst habe ich aber noch nie, kein einziges Mal ihren Geburtstag feiern sehen. Mein Dad vergisst ihn immer bis zu dem Moment, in dem ihm der erste gratuliert und wie alt er geworden ist, muss er jedesmal ausrechnen, weil er es schon wieder vergessen hat und es ihm auch egal ist. Eigentlich hat er ja recht, ist ja nur eine Zahl mit wenig Aussagekraft. Dennoch, da ist doch immer gefühlt ein „ja, aber trotzdem?!“

Zum anderen bin ich nach der 6. Klasse auf ein Internat gegangen, wir sind umgezogen und der Freundeskreis hat sich entsprechend verlagert. Bei 5-6 Stunden Zugfahrt (damals war noch nichts mit Führerschein und Autofahren) und einem Termin einen Tag vor Silvester, wenn alle entweder im Urlaub sind oder Familienzeit haben, kann man kaum noch erwarten, dass jemand einer Einladung folgen würde. Zumal dann auch zwangsläufig alle hätten übernachten müssen und am nächsten Tag schon wieder weiterziehen oder zurückfahren oder wohin auch immer es sie zu Silvester zieht. Also habe ich nicht gefeiert und nicht eingeladen. Rückblickend sicher auch, um mir von vornherein die Enttäuschung von Absagen zu ersparen.

Last but not least, ich bin überhaupt keine Party-Maus. Was gemeinhin unter feiern verstanden wird, empfinde ich die meiste Zeit als irgendetwas zwischen unnachvollziehbar und anstrengend. Ich versuche es immer wieder und manchmal kann es auch witzig sein. Aber suspekt ist es mir trotzdem. Zu dieser Skurilität meiner Ansichten, komme ich bestimmt in Zukunft nochmal, da es auch eine wiederkehrende Verwunderung in meinem Kopf ist.

Kurzum für mich gab es viele Gründe nicht zu feiern. Einige mehr, andere weniger plausibel. Einige mehr, andere weniger offen ausgesprochen. Aber ich glaube, es hat eine ganz eigene Wichtigkeit solche Ereignisse nicht weg zu rationalisieren. Ja, es ist auch nur ein Tag wie jeder andere, ja er kann genauso gut oder schlecht sein wie jeder andere und ja, hat man erstmal ein ersehntes Alter -meist die Volljährigkeit- erreicht, ist auch egal, welche Zahl da welche andere ersetzt.

Aber es ist ein Tag, der uns daran erinnert, dass wir ihn nur so gestalten müssen, wie wir ihn genießen können. Keine Party? Dann ein wirklich guter Abend mit Essen, Wein, Bier oder auch gerne Tee und coolen Gesprächen. So war unsere „Feier“ dieses Jahr und sie war richtig gut. 

Es ist ein Tag, an dem wir aktiv selbst gestalten, wie er wird, mit wem wir ihn verbringen und was wir machen (zumindest zu großen Teilen, auf der Arbeit oder in der Schule/Uni wirds wohl schwieriger). Wenn ich das mal ganz ehrlich ohne aber und ohne Hintergrdanken von jedem Tag des Jahres sagen kann, dann darf mein Geburtstag gerne ein Tag wie jeder andere sein. Und jeder, der seinen Ehrentag lieber alleine feiern möchte, soll das tun dürfen, wenn er sicher ist, dass er das ehrlich so will und nicht nur zu faul, zu bequem oder zu besorgt um Absagen oder die Frage nach der Gästeliste ist. 

Wenn ich nicht mehr nur die besonderen Ereignisse wie Weihnachten, Geburtstag oder Silvester nüchtern betrachte sondern auch all die schlechten, nervigen, Katastrophentage, dann kann gerne jeder Tag beherrscht wie der andere sein. Aber solange das nicht der Fall ist und sein wir ehrlich, das wird er nie sein, lasst uns nicht die schönen Dinge als nichtig abtun aber das Schlechte mit aller Intensität wahrnehmen. Zugegeben, da hab ich einen kleinen Hang zu.

Zuletzt erinnert so ein Geburtstag ob schlecht oder gut erlebt daran, dass es an der eigenen Einstellung und dem eigenen Willen liegt, wie man ihn erlebt. Und das wiederum gilt wohl auch für alle anderen Tage des Jahres. Nur vergisst man es, vergesse ich es ganz gerne, wenn ich als Erklärung für mein Genervt- oder Traurigsein die Welt und ihre Garstigkeit als Grund anführe. 

Gut, dass mein Freund hier nicht so oft vorbeischaut, der würde mich bei meinem verständnisvollen Gequatsche da oben wieder auf die dunkle Seite ziehen wollen. Ich solle mal nicht immer so üververständnisvoll sein, so überrücksichtsvoll, nicht immer an mir sondern auch mal an anderen zweifeln oder was ihm sonst so einfällt, wenn ich keine klaren Ansagen mache, für jemanden aus seiner Sicht zu viel Nachsicht übe oder den Fehler bei mir suche, statt jemand anderen anzupflaumen.

Ich bin mir nicht sicher, dass diese Empfehlungen Material für gute Vorsätze liefern.

Auch Silvester feiere ich inzwischen und schau nicht nur aus dem Fenster um das Feuerwerk schön zu finden. Sondern ich finde mich draußen in der Kälte in Rauchschwaden eingehüllt mit einem Glas Sekt in der Hand und einem Haufen Leuten um mich, die sich umarmen, ein frohes neues Jahr wünschen und feststellen, dass die Feuerwerkskörper der Neujahrsnacht für ein Fünftel bis ein Drittel der jährlichen Feinstaubproduktion in Deutschland verantwortlich sind. Über die genaue Zahl war man sich unschlüssig.

Hm, davor fand ich das Feuerwerk noch schön. Danach hat dann wieder der Kopf eingesetzt und angefangen, das Prozedere zu hinterfragen, unser/mein Verhalten anzuzweifeln und in Sekunden einige der großen Fragen aufzuwerfen: was ist gut/richtig und welche Kriterien lassen wir dafür zu und was kann/muss ich alles tun und berücksichtigen um das richtige möglich zu machen?

Überforderung.

Zum Schluss noch eins: Ich mache mir ständig irgendwelche neuen guten Vorsätze, dazu brauche ich durchaus keinen Jahreswechsel. Bei manchen bleibe ich einigermaßen konsequent dabei, andere verschwinden und einige tauchen immer wieder auf und bleiben trotzdem nur Vorsätze, werden aber keine Taten. 

Dennoch etwas habe ich mir für das kommende Jahr vorgenommen: Weniger Vorsätze fassen und dafür 2-3 durchziehen. Unterm Strich zählt nämlich das, was ist und nicht das, was man theoretisch auch mal noch vorgehabt hat.

Anders gesagt: Done is better than perfect. 
Habt ihr euch gute Vorsätze gefasst? Seid gut ins neue Jahr gestartet?

Ein Gedanke zu “Geburtstag, Silvester und schlechte Vorsätze

  1. Pingback: Einmal was durchziehen – Ein Menschenkind wundert sich

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