Regierbarkeit maximieren – die neuen Herrscher I

Die-neuen-Herrscher

In Anbetracht meiner nahenden Prüfungen haben mich mein Lernmaterial und eines meiner Seminare zu meinem heutigen Post inspiriert.

Michel Foucault (1926-1984), ein Philosoph, Psychologe und Vertreter vieler anderer Disziplinen hielt im Mai 1978 eine titellose Rede vor der Société française de philosophie. Später wurde die Rede unter dem Titel „Was ist Kritik?“ abgedruckt, wobei diese Namensgebung nicht vom Urheber vorgenommen wurde.

Kurz und knapp gesagt, geht es in dieser Rede um das Verhältnis von Macht, Wissen (Erkenntnis/Wahrheit) und Bürger sowie um die Aufklärung. Unter anderem führt Foucault aus, wie es um eine beständige Frage nach der bestmöglichen Regierbarkeit verschiedener Personengruppen geht. Dabei scheint er regieren nicht nur auf eine staatliche Tätigkeit beschränkt zu sehen, sondern vielmehr einen erweiterten Begriff des Regierens zu verwenden, im Sinne eines Lenkens, Leitens und gegebenenfalls auch Manipulierens.

Dieses erweiterte Begriffsverständnis kennen wir in unserer Alltagssprache auch. „Geld regiert die Welt!“ „Das Diktat/die Diktatur der Mode…“ Und ähnliches. Regieren ist kein Privileg des Staates.

Interessant ist, dass Foucault auch die Selbstregierung zur Sprache bringt. Wir lenken uns selbst, erlegen uns gewisse Regeln auf bzw. unterwerfen uns den von außen vorgegebenen und internalisieren diese bis sie schließlich zu unseren eigenen werden.

Die Rede stammt aus einer Zeit, die technologisch, wirtschaftlich und kulturell völlig anders geprägt war. Mich würde interessieren, was dieser Denker zu unserem Jahrhundert sagen würde. Regierung duch soziale Netzwerke, durch Apps, durch Abhängigkeiten, die es vorher nicht gab.

Gut, dafür gab es andere. Sollte man zwischendurch nicht vergessen, wenn man die Gegenwart ob ihrer rasanten Veränderungen verteufelt. Sicher ist fragwürdig, ob die Entwicklung zu einer App-gesteuerten Gesellschaft, die sich von ihren Smartphones den Tag und von Likes und Followern ihren Wert diktieren lässt, wünschenswert ist. Wir haben die Monarchie abgeschafft (oder zumindest ihrer herrschenden bis unterdrückenden Funktion beraubt) und uns neue Herren geschaffen. Andererseits wo zieht man die Grenze. Die neuen Regierungen haben annehmliche Vereinfachungen (Verbesserungen?) mit sich gebracht. Kommunikation in Sekundenschnelle mit Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel, weltweite (Protest-)Bewegungen, die Verbreitung und Vernetzung von Informationen über Nationen und Ozeane hinweg, digitale Dienstleistungen zur Vereinfachung der Alltagsbewältigung, Fitness-Armbänder (?!)…

Wie viel davon finden wir gut? Ab wo fängt es an, kritisch zu werden? Klar ist der Terminus der App-gesteuerten Gesellschaft überspitzt. Andererseits, es gab eine Zeit, da „Brave New World“ und „1984“ auch überspitzt waren. Heute ist vieles davon normale Realität.

Ich möchte aus dieser Thematik ausnahmsweise einen Zweiteiler machen. Für heute lasse ich euch mit der Frage nach der Grenze ziehen. Wo führt sich die ständige Verbesserung, Vereinfachung, Entwicklung ad absurdum und wo ist sie nötig und aktiv gewollt? Wann wird aus der Annehmlichkeit eine Unannehmlichkeit?

Es würde mich sehr freuen, eure Gedanken zum Thema hören. Meine schreibe ich euch nächste Woche…

_______________________________________________________

Für die in diesem Post beschriebenen Erkenntnisse und Grundlagen berufe ich mich dankend auf das Aufklärungs-Seminar meines Professoren Herrn Doktor Heuft und auf die transkribierte, ins Deutsche übersetzte und 1992 im Merve Verlag abgedruckte Rede von Michel Foucault.

_______________________________________________________

Die wöchentliche Dosis Inspiration von Menschen, die eine Idee Wirklichkeit werden ließen…

Ein Gedanke zu “Regierbarkeit maximieren – die neuen Herrscher I

  1. Pingback: Regierbarkeit bekämpfen – die neuen Herrscher II – Ein Menschenkind wundert sich

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s