Regierbarkeit bekämpfen – die neuen Herrscher II

Als Feedback auf den ersten Teil zu meinem Thema „Die neuen Herrscher“ habe ich ein weitreichendes Spektrum an Antworten bekommen: von halbwegs betroffenem Schulterzucken über das Eingeständnis, dass es ein Problem sei, das keine Lösung kennt bis hin zu völlig überzeugter Zustimmung, dass das alles ganz furchtbar sei und man dringend was ändern müsse, was 2 Minuten später wieder vergessen war.

Für mich zeigt das deutlich das Problem mit dem Problem:

Es gibt diejenigen, die irgendwie wissen, dass das was wäre, mit dem man sich auseinander setzen sollte, die dafür aber zu bequem, zu desinteressiert oder zu beschäftigt sind. Let’s face it, man kann nicht über alles nachdenken, über das man nachdenken sollte.

Dann gibt es diejenigen, die sich des Problems tatsächlich bewusst sind und es als solches bewerten, aber ob der augenscheinlichen Unlösbarkeit ihre Ratlosigkeit anerkennen müssen.

Und dann gibt es noch diejenigen, die wie bei allem Feuer und Flamme sind, begeistert mitdiskutieren, die aber den seltsamen Anschein erwecken, als würde ihr Brennen für die Thematik mit dem Ende des Gesprächs erlöschen.

Sieht man mal von der radikal unbequemen Lösung ab, die Technik einfach abzuschaffen, fällt uns erst mal nichts ein. Mir auch nicht. Außer, dass ich nichtmal glaube, dass das wirklich eine Lösung wäre.

  1. Wie bitte, sollte man das überhaupt bewerkstelligen?
  2. Es verschiebt doch nur die Fragestellung: Wo ziehen wir die Grenze? Alle technischen und gesellschaftlichen Errungenschaften wollen wir ja nicht loswerden, zumal auch kaum ein Mensch trennen kann, wo sie sich gegenseitig bedingen. Schaff das eine ab und du killst das andere. Nur welches andere?
  3. Kann es eine Lösung ein, etwas einfach dogmatisch und per se zu verteufeln, statt sich der Frage nach dem richtigen Umgang zu stellen? Das scheint mir eher aus Unwissen, Angst und Unfähigkeit geboren zu sein als aus dem echten Willen, sich mit einem Problem auseinander zu setzen und mögliche Lösungen zu diskutieren.

Und ja, dann kommt auch wider die Frage, ob es überhaupt eine Lösung geben kann. Denn zum einen ist das Problem nur ein diffuses, schwer greifbares, keinesfalls klar umrissenes (sonst wäre es wohl nicht so schwer anzugehen) und zum anderen hängen sowohl die Bewertung der Situation als auch mögliche Lösungsvorschläge von den Überzeugungen und Werten jedes einzelnen ab.

Ich mag mein Smartphone. Ich mag meine Wecker-App, meine Meditations-App, meine Tagesschau-App. Ich mag leider auch Instagram und Pinterest. Das allein qualifiziert sich noch nicht für das „leider“. Die viele Zeit, die ich in diesen Sozialen Netzwerken zubringen kann, aber schon. Got me there. Ich mochte auch mein Jawbone-Fitnesstracker, der alle meine Bewegungsdaten aufzeichnete, mich daran erinnerte, dass ich meinen Hintern regelmäßig hochkriegen sollte, mich motiviert hat, noch einen Spaziergang zu machen oder raus an die frische Luft zu gehen und alles in Nullen und Einsen an einen Server Gott weiß wo geschickt hat (ah ja, da winkt noch ein ganz neues Thema).

Ich mag Whatsapp und Facebook zum Kommunizieren über ganz Deutschland, Europa und die gesamte Weltkugel.

Würde ich auf all das verzichten wollen? Nein. Wobei ich zugeben muss, dass ich mein Jawbone inzwischen nicht mehr ruhigen Gewissens trage oder eigentlich gar nicht mehr. Ist es aber gruselig, wie auch ich mein Weltbild und meine Vorstellungen von mir selbst, dem Menschen und von dem was ich tun und sein sollte, von hübschen Bildern in den Online-Sümpfen beeinflussen lasse?

Allerdings. Und dabei habe ich die Tragweite der Thematik bisher weder ausgeschöpft noch selbst wirklich umrissen.

Die neuen Herrscher 2 - Apps regieren uns

Mir scheint, die einzige Lösung, die ich sehe und vertreten kann, ist zugleich die wohl abgedroschenste und am häufigsten benutzte, wenn man sonst Nichts weiß:

Sicher stellen, dass man sich der Thematik bewusst ist, einen reflektierten Umgang mit allen Apps, Gadgets und dem Leben im Allgmeinen pflegt und nicht aufhört, darüber zu reden.

Ja ich weiß, es gibt so vieles, was man sollte. Täten wir alles, was wir sollten (aus moralischen, gesellschaftlichen, gesundheitlichen Gründen, persönlichen und fremden Ansprüchen etc.), kein Menschenleben würde ausreichen. Das heißt nicht, dass es gar nicht erst versuchen, eine Option ist. Wir schicken Kinder ja auch zur Schule um etwas zu lernen, obwohl es nicht möglich ist, alles zu lernen, was es zu wissen gibt.

Was ich damit sagen möchte ist, dass wir an keiner Perfektion ankommen können, an keiner perfekten Antwort, an keiner perfekten Einstellung, in keinem perfekten Leben, das hat letzteres so an sich. Aber wir können völlig unperfekterweise daran denken, auch mal zu hinterfragen. Nicht jedesmal, aber vielleicht ja immeröfter. Und je mehr Menschen das tun, umso weiter können wir gemeinsam kommen, egal in welcher Problemlösestrategie.

Denn ja, was soll ein Einzelner schon ausrichten?

Außer natürlich noch einen Einzelnen zu inspirieren…

Die Menge mag Veränderungen bewirken.

Aber die Menge setzt sich aus Einzelnen zusammen.

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Ein bisschen zum Thema passend ein kleines Video zu einer von mir gar nicht betrachteten Seite unserer Technik- und Gadgetsucht von den Machern des vor einigen Jahren unglaublich bekannt gewordenen Videos Story of Stuff: The Story of Electronics.

 

Wenn jetzt einer von euch sagt, das ist aber zu vereinfachend, dann bitte, es ist ein 8 Munuten langes, gezeichnetes mit gesprochenem Wort unteregtes Video, findet euch damit ab.

Im Übrigen habe ich zumindest mal kurz in ein kritisches Video hierzu reingeschaut. Ich kann noch nicht viel dazu sagen, weil ich es nicht fertig geschaut habe, allerdings finde ich, dass der Macher schon bei seiner ersten Slide den betreffenden Punkt von „The Story of Electronics“ nicht verstanden hat. Aber macht euch hier selbst ein Bild.

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “Regierbarkeit bekämpfen – die neuen Herrscher II

  1. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mich bei
    „Dann gibt es diejenigen, die sich des Problems tatsächlich bewusst sind und es als solches bewerten, aber ob der augenscheinlichen Unlösbarkeit ihre Ratlosigkeit anerkennen müssen“
    oder bei
    „Und dann gibt es noch diejenigen, die wie bei allem Feuer und Flamme sind, begeistert mitdiskutieren, die aber den seltsamen Anschein erwecken, als würde ihr Brennen für die Thematik mit dem Ende des Gesprächs erlöschen“
    einsortieren soll. Definitiv ist es aber so, dass ich bei neuanschaffungen im Elektronikbereich schon darauf achte, was ich mir kaufe, bzw ob es das nicht auch gebraucht gibt.
    Ist das der erste Schritt zum Postökonom?

    Auch hier noch eine abgedroschener Satz von mir: früher war alles besser…..Das mag zwar nicht ganz der Wahrheit entsprechen, sicher aber was die Reperaturfähigkeit der Geräte betrifft. Möglicherweise erleben wir jetzt wieder einen Trend in diese Richtung (Fairphone 2).

    Sicher ist auch, dass wir eine Verbesserung nur gemeinsam und mit gemeinsam geförderten Projekten erzielen (crowdfunding), denn jeder Einzelne trägt auch zur Verschmutzung bei. Hier kann jeder in einem Rahmen, den er selbst vertreten kann, helfen, unsere Welt besser zu machen.

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