Scheherazade Reloaded (Weltwärts Intermezzo)

Wow, letzte Woche war wirklich eine Schreibeskapade für mich und eine Leseeskapade für dich. Teil 1 (Vorbereitugen und Erwartungen), Teil 2 (erste Eindrücke und Erfahrungen) sowie einen vorangestellten Prolog haben wir bereits hinter uns gebracht. Bevor es weiter mit den intensiven Beschäftigungen geht (freu dich auf nächste Woche), habe ich eine kleine Überraschung mitgebracht; so zu sagen als Intermezzo für die Gedanken. 😉

Ein langes aber unterhaltsames Gedicht über meine Zeit in Indien, dass ich nach einem Aufenthalt in einem Meditations-Retreat (Indien ist eines der spirituell reichsten Länder der Erde, da muss man sich mal an so etwas heranwagen, Vipassana Regeln) geschrieben habe.

Diese Erfahrung war ein Kreativitäts-Schub sondergleichen.

Aber lest und urteilt selbst….

Seid gegrüßt,

Ihr Freunde und Fremde,
Lernende und lehrende Stände,
Eltern und Kinder,
Heil’ge und Sünder,
Verwandte und Geschwister,
Lady und Mr.

Kurz: Alle Bürger von „Da-Heim“
Höret meinen wohlerdachten Reim
Lasset euch erzählen,
Vom Reisen, Denken und Vermählen,
Vom Feuer, draußen wie drinnen,
Vom Arbeiten und Singen,
Vom Ende und vom Anbeginn
Und mir, als Rikshaw-Fahrerin.

So setzt euch nieder, habt’s gemütlich
Tut euch an den süßen Früchten gütlich
Und lauschet, was ich zu berichten
Vom Leben und anderen Geschichten.

Seid Ihr das geneigte Publikum mein,
Will ich euch -für diese eine Nacht nur- Scheherazade sein.
Wohlan es sei
Meine wortgewandte Zauberei…

September, Oktober, November,
Die ersten 3 Monate im Dienstkalender.
Fragen, wundern, staunen,
Touristisch verdattertes Raunen.

Dezember, Januar, Februar
An ihnen ließ ich kein gutes Haar.
Wütend, traurig, unzufrieden
Eine Zeit durchsetzt von Seitenhieben.

So zogen die Tage ins Land
Zahllose Chancen unerkannt.
Erst spät dämmerte es mir
Nur noch 6 Monate habe ich hier.

Meine Trübsal nahm ihr Ende
Meine Einstellung fand ihre Wende
Mein Lachen und Freuen kehrte zurück
Gemeinsam mit strahlend sommerlichem (!) Glück (?)^^

Die Grundsteinlegung war freilich schon im Januar
Mit Janas Besuch, das ist doch klar,
Mit ihr kam die Erkenntnis
Es herrscht zu viel Unverständnis.

Fund am Strand

Fund am Strand – Die Welt durch Janas Augen

Queens Necklace - Marine Drive in Mumbai

Queens Necklace – Marine Drive in Mumbai

Doch ach, Ratio und Emotio kennen sich zwar
Sind zumeist aber ein zerstrittenes Geschwisterpaar.
So kam das gefühlte Verstehen
Erst nach dem ich Delhi gesehen.

Mumbai verlassen, neue Welten entdecken
Meine Nase aus dem schnellen Zuge strecken
25 Stunden sitzend fahren
Gleichgültigkeit mit Ignoranz paaren
Motorsägen lautes Schnarchen überhören
Lasse mich nicht vom Getümmel stören
Bäm, Metall-Kanister gegen Schädel
Beule hin oder her, bin ja ein duldsames Mädel
Klappernde Fenster, offene Türen
Wen stört’s, hab ja keine Star-Allüren
Nur die Kälte, die hatte es in sich
Und die Gelackmaierte, die bin ich.
Mittelohrentzündung und Halsschmerzen
Lassen mich die Tabletten herzen
Und mein leicht Erschöpfter Verstand
Hat eine Weisheit nun erkannt:
Widerspreche der Mutter nimmer,
Sie hat recht: „Bisschen Verlust ist immer.“
Und doch, auch wenn es nicht gänzlich danach klingt,
Ist in meinem Kopf auch die leise Stimme, die singt:

Zugfahrt

Zugfahrt

„So will ich immer reisen, wenn Sommerwinde weh’n,
Wenn alle Blumen blühen und alle Wiesen grün,
Die Margariten blühen in gelb und weißer Pracht,
Die Schwalbenkinder hoffen, dass Mama was gebracht
Und alle Bienen summen, wenn hell die Sonne lacht.“

Ach ja, Kinderlieder sind immer ein Trumpf
In diesem Fall ein Hoch auf Pippi Langstrumpf.
Es war eine spaßige Zeit
Voll von Gesprächen, Lesen, Heiterkeit.
E., M. und ich,
Welch seltsam charakterliches Gemisch.
Und vor Ort, warum sind wir eigentlich da?
Na wegen unserem Zwischenseminar…

Delhi - Fotocredit E.

Enter a caption

Sieben, achtundzwanzig, zwei
Soviel zur Zahlenmalerei.
Das erste sind unsere Workshop-Tage
So wenige nur, da gibt es keine Klage.
Das zweite sind wir, die Freiwilligen
Viele Beschwerden, von den rechten und den billigen.
Zu guter Letzt noch unsere Tagungsleiter
Trotz Widrigkeiten stets hilfsbereit und heiter.

Gemeinsam haben wir viel gelacht und diskutiert
Was ist Armut und was bedeutet privilegiert?
Welche Verantwortung haben wir,
Zu Hause, genauso wie hier?
Was ist fair und gut gehandelt?
Sind auf Gandhis Wegen gewandelt.
Auch seine Todesstätte haben wir gesehen,
Konnten seine letzten Schritte selber gehen.
Und wisst ihr, was ein „Code of Conduct“ ist?
Wenn man so will, eine furchtbar lange Verhaltenslist.
Ich werde sie euch einmal schicken
Möget auch ihr diese Herausforderung erblicken.
Fort an sollt ihr mich und meine Mails danach messen,
Ich werde scheitern und ihr werdet’s vergessen.

Will weder euch noch mich deswegen rügen
Lasst es uns übergehen und fortfahren mit dem Vergnügen.

Man kann nicht nur arbeiten und denken
Muss sich auch mal Freizeit schenken.
Kaffe trinken, tanzen gehen
Tempel und Basare sehen
Dafür ist Delhi gut zu haben
Sich an den sinnlichen Genüssen laben.

Verwinkelte Gassen, enge Sträßchen
Laden ein zu manchen Späßchen
Old Delhi ist eine wahre Schatztruhe
Voll Gewühl, Märkten und wenig Ruhe.
Dafür gibt es hier den besten Parantha-Stand
Der ist in ganz Indien wohl bekannt.

Old Delhi.JPG

Old Delhi – Fotocredit E.

Neu Delhi hingegen
Seiner Neuheit wegen
Ist gezeichnet von großen Prachtstraßen
Cafés, Bars, Clubs in Massen.

Nachts von der Mocca-Bar nach Hause fahren
Arme FSJler müssen Geld sparen
Also zu sechst in eine Rikshaw steigen
Das garantiert einen ausgelassenen Reigen.
3 auf die Bank, 2 auf den Schoß
Wohin kommt der 6 bloß?
Na vor zum Fahrer
Dabei wird Einiges klarer
Zum Beispiel hätt‘ ich vorher nicht gedacht,
Dass so ein Winzgefährt tatsächlich eine Gangschaltung hat.
Das erste Mal selber hinterm Steuer,
Anfangs war’s mir nicht geheuer.
Aber nach verflogener, übertriebener Acht
Cruize ich höchst begeistert durch die von unserm Lachen erfüllte Nacht.

Leider muss auch die schönste Zeit zu Ende gehen
Und wir unsere Aufmerksamkeit wieder Richtung Bombay drehen.
Einmal quer durch Rajasthan und Gujarat
Bis Maharashtra uns endlich wieder hat.

Dort wartet dann der alte Trott
Arbeiten, Schlafen, Lesen, Kinderspott
Und hin und wieder ein Ereignis
Mal gut, mal schlecht, des Lebens Geheimnis.

Die Hochzeit des Vermieters Sohn
-wir wurden eingeladen, Ihr ahnt es schon-
War eine Feier mit viel Bling Bling
Glitzer, Glamour ist eigentlich nicht mein Ding.
Aber so will es nun einmal der Brauch
Also funkle und glitzere ich wie alle Andern auch.
In meinem Sari in schönstem Mitternachtsblau
Und Gold und Silber durchsetzter Borte, fertig für die Modenschau.
Nach dem feierlichen Geschenke übergeben
Sieht man alle zum Buffet hinstreben
Gemeinsam sitzen, essen, lachen
Fotos mit den Weißen machen
Und den Abend lustig ausklingen lassen
Nach Hause geht’s noch bevor die Lichter verblassen.

Hochzeitsgäste

Hochzeitsgäste: E, S2, L und ich

Ein andrer Tag, ein andrer Ort
Tragen meine Gedanken fort.
Sirenengeheul und gaffende Menschenmassen
Ein riesiges Feuer, man kann es kaum fassen,
Verschlingt den ganzen Bandra Station Slum
20 Feuerwehrwagen sind am Löschen dran.
Dennoch, 2000 Hütten sind abgebrannt
Glücklicherweise sind keine Todesopfer bekannt.
Auch der Skywalk wurde zerstört
Habe den Einsturz gesehen und das Krachen gehört.
Hier war es eine große Katastrophe
In deutschen Nachrichten widmet man dem keine Strophe.
Wenn Ihr ganz aufmerksam ward, so habt Ihr vielleicht die Anmerkung gehört:
„zu Hause der Slumdog Millionaire Darsteller zerstört“

Feuer im Bandra Station Slum - Fotocredit M.

Feuer im Bandra Station Slum – Fotocredit M.

Ich scheine dieses Jahr vom Feuer verfolgt zu sein.
Erst brennt das schöne Adventon mein,
Dann die Versicherung gegenüber von meinem Haus
Und nun ist es mit meiner Nachbarschaft aus.
Na gut, fast alle Hütten sind schon wieder aufgebaut,
Blaue Planen, Wellblechdächer, so vertraut.
Auch zu Hause weiß man mit der Zerstörung umzugehen
Wird sie nutzen um Werbeaufnahmen für eine nachgestellte Schlacht zu drehen
Und so nimmt alles wieder seinen gewohnten Lauf
Des Lebens beständiges Bergab und Bergauf.

„What’s my name
What’s my name
What’s my name
My name is Sheela
Sheela ki jawani
I’m Too sexy for you
Main tere haath na aani
Na na na sheela
Sheela ki jawani
I’m Too sexy for you
Main tere haath na aani“

So tönt es aus jedem Radio
Ich trällere lautstark mit, das macht man so
Ist schließlich das beliebteste Lied zur Zeit
Ein Hit aus einer Bollywood Neuheit.
 
Hört und schaut es Euch auf Youtube an
An diesen Spaßfaktor kommt wenig ran.
Zugegeben, ich musste auch erst lernen diesen (indischen) Stil zu lieben
Jetzt tu ich’s und bin glücklich und zufrieden.
 
Huch, es dämmert schon
Für mein Erzählen winkt mir nun der verdiente Lohn
Ein weiterer Tag in strahlendem Sonnenschein
Mindestens so leuchtend, wie das Lächeln mein.
 
Ich hoffe Ihr hattet so viel Spaß wie ich,
Denn ich amüsierte mich recht königlich.
Doch nun muss ich von dannen gehen
Werden uns im September wieder sehen.
Es muss wohl sein
Gehabt euch wohl und vergesst nicht mein.
 
Eure Scheherazade 🙂 

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