Die Welt als Dorf mit 100 Menschen

Wenn die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern wäre...

Eine Freundin von mir war kürzlich auf einem Seminar (danke fürs dran teilhaben lassen 🙂 ) auf dem es vereinfacht gesagt um die persönliche Weiterentwicklung, ums Ziele setzen und ums Perspektivieren ging.

Zu letzterem wurde ein kurzer Text gelesen: „wenn die Welt ein Dorf mit nur 100 Einwohnern wäre“. Das hat mich die letzten Tage immer wieder beschäftigt und schließlich habe ich das World Wide Web mal befragt und nach dem Text gesucht.

Tatsächlich findet man ihn gefühlte tausend mal und auch wenn im Einzelnen die Zahlenkonstellationen schwanken, sind sie sich im Wesentlichen alle gleich. Hier mal der Auszug (hier von mir gekürzt), der von der Frankfurter Rundschau online gestellt wurde:

Seit mehr als einem Jahrzehnt findet sich im Internet eine kleine Meditation über den Weltzustand. Ich weiß nicht, von wem sie stammt. Es scheint sich um eine Übersetzung zu handeln. Eher nicht aus dem Englischen, vermute ich. Inhaltlich ist es ein ganz moderner Text. Auch die Idee, sich Klarheit durch eine Verschiebung der Dimension zu machen, ist nicht uralt. Aber es gibt einen Predigerton, eine Art unser besseres Ich anzusprechen, die hat Jahrtausendelange Tradition.

***

Wenn man die Weltbevölkerung auf ein 100 Seelen zählendes Dorf reduzieren könnte und dabei die Proportionen aller auf der Erde lebenden Völker beibehalten würde, wäre dieses Dorf folgendermaßen zusammengesetzt:

57 Asiaten

21 Europäer

14 Amerikaner (Nord-, Zentral- und Südamerikaner)

8 Afrikaner

Es gäbe: 52 Frauen und 48 Männer

30 Weiße und 70 nicht Weiße

30 Christen und 70 nicht Christen

89 Heterosexuelle und 11 Homosexuelle

Sechs Personen besäßen 59 Prozent des gesamten Reichtums, und alle sechs kämen aus den USA, 80 lebten in maroden Häusern, 70 wären Analphabeten, 50 würden an Unterernährung leiden, einer wäre dabei, zu sterben, einer wäre dabei, geboren zu werden. Einer besäße einen Computer, einer (ja, nur einer) hätte einen Universitätsabschluss.

Wenn man die Welt auf diese Weise betrachtet, wird das Bedürfnis nach Akzeptanz und Verständnis offensichtlich.

Du solltest auch folgendes bedenken :

Wenn Du heute morgen aufgestanden bist und eher gesund als krank warst, hast Du ein besseres Los gezogen als die Millionen Menschen, die die nächste Woche nicht mehr erleben werden.

Wenn Du noch nie in der Gefahr einer Schlacht, in der Einsamkeit der Gefangenschaft, im Todeskampf der Folterung oder im Schraubstock des Hungers warst, geht es Dir besser als 500 Millionen Menschen.

Wenn Du zur Kirche gehen kannst, ohne Angst haben zu müssen, bedroht, gefoltert oder getötet zu werden, hast Du mehr Glück als drei Milliarden Menschen.

Wenn Du Essen im Kühlschrank, Kleider am Leib, ein Dach über dem Kopf und einen Platz zum Schlafen hast, bist du reicher als 75 Prozent der Menschen dieser Erde.

Wenn Du Geld auf der Bank, in Deinem Portemonnaie und im Sparschwein hast, gehörst Du zu den privilegiertesten 8 Prozent dieser Welt.

Wenn Deine Eltern noch leben und immer noch verheiratet sind, bist Du schon wahrlich eine Rarität.

Wenn Du diese Nachricht erhältst, bist Du direkt zweifach gesegnet: Zum einen, weil jemand an Dich gedacht hat, und zum anderen weil Du nicht zu den zwei Milliarden Menschen gehörst, die nicht lesen können.

***

Manche reagieren begeistert auf diesen Text.

Andere stößt er ab. Bombwurzel wandte am 14. April 2001, 11:13 Uhr ein: „Wenn wir bloß noch 100 Leute wären und alle in einem Dorf leben würden, gäbe es keine Asiaten, Europäer, Amis und Afrikaner – wir kämen dann alle von einem Kontinent:

– Wir hätten spätestens nach zwei Generationen eine gemischte Hautfarbe, die über weitere Generationen sich den jeweiligen Lebensbedingungen anpasste.

– Es gäbe keine verschiedenen Religionen, wenn überhaupt, da sie fürs Überleben irrelevant sind.

– Die 11 Homos müssten im Dienste der Arterhaltung wohl wenigstens bisexuell werden.

– Alle 100 hätten den gesamten Reichtum (anders wäre diese kleine Gemeinschaft nicht lebensfähig), außerdem sollte man Reichtum nicht am Besitz von Geld festmachen – es gibt andere Reichtümer – die kann uns keiner nehmen.

– Keiner würde in maroden Häusern leben.

– Keiner (oder alle ;)) würde an Unterernährung leiden

– Niemand hätte einen Computer, der funktioniert.

– Auch einen Uni-Abschluss hätte keiner – auf welche Uni hätte er gehen sollen?“

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Man sieht: Wenn man die Dimension verschiebt, stimmt plötzlich nichts mehr. Zuerst dachte man, man werde schlauer dadurch. Jetzt begreifen wir, dass wir durch die mikroskopische Verkleinerung gerade das Entscheidende nicht wahrnehmen. Unsere Probleme sind Probleme unserer Größe. Wären wir kleiner, wir hätten sie nicht. Wir hätten andere.

Die Wortwahl des Zitierten sagt mir zwar nicht wirklich zu, aber das daraus gezogene Fazit des eigentlichen Autoren fand ich aufschlussreich. Auch wenn ich es etwas anderes sehe.

Mir scheint, es kommt ganz darauf an, welchen Maßstab man ansetzt und welchen Erkenntnisgewinn man erzielen möchte. Er hat recht, natürlich vereinfacht dieses Gedankenspiel so stark, dass Problematiken unter den Tisch fallen, weil sie bei solch einer Größenordnung (oder eigentlichen Kleinordnung?!) nicht existieren. Aber irgendwie geht es darum auch überhaupt nicht, oder zumindest nicht primär.

Wofür dieser Text eigentlich sensibiliseren will, ist doch wie gut es uns geht. Er rückt unsere Alltagsprobleme aus dem Fokus heraus und zeigt dafür vereinfacht und leicht verständlich gemacht, was für uns selbstverständlich geworden ist.

Es geht nicht um landesspezifische Unterschiede, Bruttoinlandsprodukte und messbare Zahlen sondern nur um das gefühlte Verstehen, dass unser Leben, das wir oft als so schwierig empfinden, eine sichere, existenziell weitestgehend sorgenfreie Basis hat.

Es geht um eine Relativierung, ums in Perspektive rücken und auch ums Belehren, dass wir lernen sollen, dankbar zu sein, lernen sollen, zu sehen, wofür wir dankbar sein können.

Und das ist ja durchaus kein neues Phänomen. Nur wird es heutzutage eher in einem religiöslosgelösten Kontext diskutiert und unter dem Stichwort des „Gratitude Journaling“ oder unter spezieller Weiterentwicklung auch beim „5 Minute Journaling“ verhandelt. Für beide gibt es Smartphone-Apps, YouTube-Tutorials und Pinterest-Bilder zur Inspiration für Gestaltung, Herangehensweise, zur Erleichterung des Führens eines Gratitude Journals und auch mit Hilfestellungen, über was man nachdenken und wofür man dankbar sein kann.

Ich hab das schon zwei oder dreimal versucht und es ist doch immer wieder in der Versenkung gelandet. Vielleicht bin ich nicht konsequent genug. Vielleicht liegt mir das Format einfach nicht. Tagebuch schreiben ist genauso erfolglos für mich.

Per se finde ich aber, verdient diese Bewegung und der Gedanke Aufmerksamkeit und Verbreitung. Ohne esoterischen oder selbstverliebten Schmuh, einfach nur authentisch und ehrlich für sich selbst ein bisschen relativieren, anerkennen und wertschätzen.

Manche Menschen beten, manche Menschen meditieren, manche Menschen schreiben Tagebuch, manche Menschen schreiben in drei Sätzen auf, wofür sie an einem bestimmten Tag dankbar waren oder sein können.

Am Ende ist es doch nur wichtig, dass es dem jeweiligen Menschen hilft und durch ihn, vielleicht auch seinem Umfeld.

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Disclaimer: Die verlinkten YouTube-Videos, Pinterest-Seiten etc. sind nur als Beispiele gedacht und nicht als Werbung für einen bestimmten Kanal. Sie sind auch nicht als postitive Bewertung meinerseits zu verstehen sondern nur rein als Angebot, sich anzuschauen, wovon ich rede.

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